Rettungsschwimmlehrer Sandro: „So bin ich selber sicher im Wasser und ein Helfer für andere“

Beim diesjährigen Rotkreuz Action Camp in Velden am Wörthersee haben wir von Sicher im Wasser Teilnehmer über ihre Einstellung zu Sicherheit im Wasser befragt. Viele der Burschen und Mädchen waren sich darüber einig, dass es an ausgebildeten Freiwilligen mangelt und wir uns alle mehr Rettungsschwimmer an den öffentlichen Bademöglichkeiten wünschen.

Sandro, 23 Jahre, ist gebürtiger Villacher, lebt aber wegen seines Sportstudiums in Wien. Er nimmt erstmals am Action Camp teil, um den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, das Fahrtenschwimmerabzeichen abzulegen. Der leidenschaftliche Sportler ist Rettungsschwimmlehrer.

Sicher im Wasser: Sandro, was hat dich motiviert, Mitglied beim ÖJRK zu werden?

Sandro: Durch meine Ausbildung wurde ich automatisch Mitglied beim Jugendrotkreuz. Ich habe gern mit unterschiedlichen Leuten zu tun. Alle 5 Jahre muss ich einen Kurs zur Auffrischung absolvieren, um weiterhin Abzeichnen abnehmen zu können.

Sicher im Wasser: Wann wusstest du, dass du anderen konkret helfen willst und dass du dich beim ÖJRK engagieren willst?

Sandro: Da ich Sport studiere, brauchte ich den Helfer- und Retterschein. Ich hatte danach Lust auf weitere Ausbildungen und habe mit 21 begonnen, Rettungsschwimmlehrer zu werden. So bin ich selber sicher im Wasser und ein Helfer für andere.

Sicher im Wasser: Was sagen deine Freunde zu deinem Hobby?

Sandro: Die sind ehrlich gesagt froh darüber, jemanden in der Gruppe zu haben, der etwas vom Rettungsschwimmen versteht.

Sicher im Wasser: Wie wichtig ist es für dich, dass beim Schwimmen jemand in Reichweite ist, der auf die Sicherheit im Wasser achtet?

Sandro: Das ist mir schon sehr wichtig, denn es kann immer etwas passieren. Man sollte stets auf einen geeigneten Bereich achten, um ins Wasser zu gelangen.

Sicher im Wasser: Wie oft, glaubst du, ist auch jemand in der Nähe?

Sandro: Im Freibad ist das eher schwierig, besonders wenn viel los ist. Da kann sich der Bademeister noch so bemühen, er kann seine Augen nicht überall gleichzeitig haben. Wenn man sich in einer Gruppe befindet, sollte man untereinander auf die Sicherheit achten. Es sollte auf alle Fälle aber mehr Rettungsschwimmer geben!

Sicher im Wasser: Hast du schon einmal ein schlimmes Erlebnis im oder um das Wasser selbst erlebt oder von anderen mitbekommen? Wenn ja: Was ist passiert?

Sandro: Ich war mit meiner Freundin am Meer und sie war zum Surfen gegangen. Ich habe sie vom Strand aus beobachtet. Das Wasser war recht unregelmäßig und sie hat mit der Zeit an Kraft verloren. Ich habe sie in letzter Sekunde noch rausgezogen und mit dem Surfbrett an den Strand transportiert.

Mit 12 Jahren habe ich außerdem am Silbersee bei Villach mitangesehen, wie nach einem vermissten Badegast gesucht wurde. Taucher und Hubschrauber waren vorort. Leider konnte der Vermisste nur mehr tot geborgen werden.

Sicher im Wasser: In welchem Alter hast du schwimmen gelernt?

Sandro: Im Kindergarten mit ca. 4 Jahren.

Sicher im Wasser: Wie viele Leute kennst du, die nie schwimmen gelernt haben?

Sandro: Meine Oma hat als Kind nicht schwimmen gelernt. Aber mit 45 Jahren hat sie es dann gewagt und geschafft.

Sicher im Wasser: Zum Thema Sicher im Wasser: In den Nachrichten hört man während des Sommers häufig von Wasserunfällen mit Kindern. Was meinst du: Ab wann sollte ein Kind schwimmen lernen?

Sandro: Ein Babyschwimmkurs ist sicher bereits von Vorteil. Mit 3 bis 4 Jahren sollte dann in Anwesenheit der Eltern das Schwimmen locker erlernt werden. Wichtig ist dabei Spaß zu haben.

Sicher im Wasser: Wenn du den Tag am See verbringst, führst du eher Gespräche mit deinen Freunden oder bist du auch wachsam, was in deinem Umfeld passiert? Zum Beispiel, dass ein Kind unbeaufsichtigt am Wasserrand spielt.

Sandro: Durch mein Wissen über Gefahrenquellen habe ich automatisch vermehrt mein Umfeld im Blick, besonders, wenn Kinder unbeaufsichtigt sind.

Sicher im Wasser: Machst du deine Freunde darauf aufmerksam, vorsichtiger und somit sicher im Wasser zu sein, wenn sie vorhaben, weite Strecken zu schwimmen?

Sandro: Wir nehmen meistens eine Schwimmhilfe, wie eine Schwimmnudel oder eine Matratze mit – das rate ich auch jedem, egal ob guter Schwimmer oder nicht. Besonders, wenn man alleine schwimmen geht.

Sicher im Wasser: Was sind deine Zukunftspläne, um Menschen in Not zu helfen? Strebst du bestimmte Qualifikationen an?

Sandro: Ich werde als AHS-Sportlehrer arbeiten und hätte Lust, in der Zukunft den Taucherschein zu machen.

Sicher im Wasser: Was, glaubst du, unterschätzen die meisten Menschen im und um das Wasser?

Sandro: Meistens springen die Leute einfach ins Wasser hinein, ohne über die Bodenbeschaffenheit Bescheid zu wissen. Es könnte weit weniger tief sein, als gedacht. Auch könnte sich am Grund Sperrmüll oder alte Holzpfähle befinden.

Zusätzlich wird oft die Kälte, besonders bei Flüssen, unterschätzt.
Eine weitere große Gefahr geht von Schiffen oder Booten aus, die teilweise plötzlich auftauchen und Menschen schwer verletzen können.

Sicher im Wasser: Bestimmt ist es dir ein großes Anliegen, dass Kinder sicher im Wasser sein können. Ab welchem Alter empfiehlst du den ersten Schwimmkurs?

Sandro: Verpflichtend sollte er nicht sein, schließlich sind nicht immer und überall Bademöglichkeiten gegeben. Die Kinder sollten aber in der Mittelschule oder Gymnasium schon schwimmen können – das liegt in der Verantwortung der Eltern.

Sicher im Wasser: Was war die größte Wertschätzung, die dir in deiner bisherigen Laufbahn als Rettungsschwimmer und -lehrer entgegengebracht wurde?

Sandro: Zum Glück kam es bei den Kursen, die ich gebe, noch nie zu einem Unfall. Die Teilnehmer sind froh über das genaue Erlernen und auch über meine Rücksicht, wenn zum Beispiel jemand eine Ohrenentzündung hat. Ich erfahre immer wieder große Dankbarkeit.

Werde ein Rettungsschwimmerheld und rette Leben!

RETTUNGSSCHWIMMER WERDEN!

Von ÖJRK Allgemein